Faszination Asien: Asiatische Tempel

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Räucherstäbchen werden gehalten, Gebete gesprochen, Kerzen angezündet und Opfergaben dargebracht, um das Wohlwollen verschiedenster Götter und Göttinnen zu erlangen. Ob in Vietnam, Thailand und Bali: Es finden sich viele oftmals ähnliche Tempel, aber jeder einzelne hat etwas ganz Besonderes und bringt die eigene Kultur zum Vorschein. In diesem Beitrag geht es nun um eine Auswahl an buddhistischen, hinduistischen und taoistischen Tempeln in Asien, die mir auf meiner Reise begegnet sind.

Jade Emperor Pagoda in Ho Chi Minh, Vietnam

Ich betrete den Tempel und atme tief ein. Der Geruch im Inneren des Tempels ist ein anderer als der draußen. Stickige, Moped-Abgas verschmutzte Luft weicht einem herben Duft brennender Räucherstäbchen. Langsam gewöhnen sich meine Augen an die gedimmte Atmosphäre. Laternen mit Gebeten hängen von der Decke. Es ist still hier. Ich beginne, mich umzusehen. Mystische Skulpturen und Kreaturen beobachten jeden meiner Schritte. Manche sehen sich ähnlich, andere wirken einer anderen Welt entnommen.

Eine alte Frau steht vor einer großen kriegerisch anmutenden Skulptur, die geradewegs auf sie herabstarrt. Der Mund der Frau bewegt sich still. Ihre Hände umfassen ein Räucherstäbchen. Sie scheint niemanden wahrzunehmen, sie gibt sich komplett ihrem Gebet hin.

Ich frage mich, für was sie wohl betet.

Ich möchte sie nicht stören und erkunde den Tempel. Da gibt es Platten voller Früchte und Geschenke, die vor den Götterstatuen im ganzen Tempel verteilt abgelegt worden sind. Ein kleiner Junge trägt einen halbleeren Früchtebecher ehrfürchtig zu einem der Schreine. Wie viele Hinduisten glaubt er daran, dass er bekommt, was er opfert. Die Göttinnen und Götter werden ihm reichlich zurückgeben von den Dingen, die er opfert. Ich finde diese Becher und Flaschen an vielen Orten, oft auch an kleinen Straßenschreinen außerhalb der Tempelanlagen.

Der Jade Tempel wurde 1909 erbaut. Es ist ein komplexes Gebilde mit vielen Gassen und kleinen Räumen, in denen Buddhisten und Taoisten beten. Außerhalb des Gebäudes wurde eine große Menge an Schildkröten in einen viel zu kleinen Teich angesiedelt. Die Schildkröten, die es in vielen Tempeln gibt, stehen in Vietnam für Stärke, Langlebigkeit und Intelligenz.

 

Wat Rong Khun – Chiang Rai, Thailand

Er wird auch „Der weiße Tempel“ genannt und ist einer der ungewöhnlichsten asiatischen Tempel, die mir auf meinen Reisen bisher begegnet sind. Er steht in Chiang Rai, etwas nördlich von Chiang Mai. Die weiße Farbe symbolisiert die Reinheit Buddhas, während das weiße Glas seine Weisheit repräsentieren soll. Neben all dem weiß gibt es im Sinne des Architekten Chalermchai Kositpipat viele Dinge zu entdecken an diesem Tempel. Manche Skulpturen hier sehen aus wie aus einem Alien Film!

Auch hier hängen Gebete von der Decke, nur viel dichter, viel mehr Gebete als in normalen Tempeln. Manchmal kann man die Decke gar nicht mehr sehen, das sieht echt beeindruckend aus! Ganz besonders hat es mir auch die große goldene Toilette angetan, die nebenan steht 😀

 

Temple Wat Phra That Doi Suthep – Chiang Mai, Thailand

Man muss eine Menge Treppen hinaufsteigen, um dorthin zu gelangen – aber die spektakuläre Aussicht über die Umgebung auf dem „Gipfel des Berges“ ist es allemal wert! Und der Tempel an sich sucht seinesgleichen, wirkt er auf mich doch wie ein einziger riesiger Goldhaufen! Auch wenn dies mit Sicherheit ein sehr touristischer Ort ist, kann ich einfach nicht aufhören all die goldenen Skulpturen und Türme anzustarren. Wirklich einzigartig. Ich frage mich, wie sie es geschafft haben, das alles auf diesen Hügel hinaufzuschleppen. Es gibt eine Legende über einen weißen Elefanten, dem eine Reliquie auf den Rücken geschnürt worden ist und der sich dann auf eine 3-tägige Reise gemacht hat. Nach 3 Tagen brach er auf diesem Hügel vor dem Einsiedler Wasuthep zusammen. Dies nahm Wasuthep zum Zeichen, hier einen Tempel zu erbauen. Die Statuen von Wasuthep und auch vom Elefanten finden sich beide auf der Tempelanlage von Doi Suthep. Eh… eine wahre Geschichte?

 

Cao Dai Temple – Tay Ninh, Vietnam

Als ich die Anlage betrete, glänzt dieser massive Tempel farbenfroh im heißen Sonnenlicht. Er repräsentiert die caodaistische Religion. Noch nie gehört? Manche Vietnamesen verkünden stolz, dass der Caodaismus die eine Religion ist, die in Vietnam im Jahre 1926 gegründet worden ist.

Die Idee dahinter ist, die buddhistische, hinduistische, christliche, konfuzianische, islamische und taoistische Religion zu vereinen, also das 6er Pack zum Preis von einem! Caodaisten glauben daran, dass das Fundament ein jeder Religion dasselbe ist und predigen daher Toleranz. Ich finde diesen Gedanken eigentlich sehr nett. Wieviel Schwierigkeiten würden wir aus der Welt schaffen, wieviele Konflikte könnten gelöst werden mit einem solchen Ansatz?

Besonders fasziniert bin ich von dem stattfindenden Begräbnis während meines Aufenthalts auf der Tempelanlage. Der Verstorbene wurde in einem Boot-Sarg in den Tempel getragen, welches seine Überfahrt auf die andere Seite symbolisieren sollte. Die gesamte Tempelanlage ist voller Symbole und Zeichen, die jede Religion aufgreifen und versuchen, deren Kernglaubenssätze zu vereinen.

Was wie eine schöne Idee klingt, holt auch andere Ideen mit ins Boot: Der Tempel ist in Stufen aufgeteilt. Je höher du auf diesen Stufen gelangst, desto reiner bist du. Es braucht Jahre des Betens, um zur nächsthöheren Stufe zu gelangen. Eine Abkürzung steht für Leute mit einer Tasche voller vietnamesischer Dong bereit.

 

Kleiner Borobodur – Java, Bali

Der kleine Borobodur ist ein buddhistisches Kloster, das auch „Brahmavihara Arama Budha“ genannt wird. Es ist das größte Kloster auf Bali und ist in der 70er Jahren erbaut worden. Leider hat es seither schon ein Erdbeben erlebt, was zu erheblichen Schäden und Reperaturkosten geführt hat. Es dauert etwas, bis man zu diesem abgelegenen Ort gelangt. Wenn du jedoch auf Bali bist, ist dieser Ort durchaus einen Besuch wert und kann an andere Aktivitäten gekoppelt werden.

Ich mag es besonders, wie alles hier arrangiert ist. Die Aussicht auf die Gärten und den Teich ist großartig, es gibt so viele Blüten an den Bäumen und Skulpturen, die bereits wieder vereinnahmt worden sind von der Natur. Verglichen mit anderen aisatischen Tempeln mag es diesem Kloster hier an Wartung fehlen, besonders verglichen mit den sehr gepflegten thailändischen Tempeln. Aber andererseits, es ist ein einfaches und bescheidenes Kloster mit schönen Ausblicken, also was braucht man mehr, um zu beten?

Asiatische Tempel beeindrucken mit ihrer ganz eigenen Art. Sie mögen nicht immer die aufgeräumtesten sein und manchmal dachte ich auch, ich stehe auf einer halbfertigen Baustelle. Aber jeder einzelne von ihnen reflektiert ein Stück ihrer Kultur, bringt eigene Farben, Symbole und Gedankengut mit sich. Willst du mehr über Asien lesen? Dann husch doch mal in meiner Asien Kategorie vorbei!

 

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